Spiegeleier gelten - zu Unrecht - als das trivialste Gericht in unserer Küche, als Veranschaulichung der Unkenntnis im Kochen. Sie sind in der Tat von der Idee nicht besondes kompliziert, aber offensichtlich kompliziert genug, um ihnen einen Platz in den meisten Kochbüchern zu sichern, die sich mit der in der westlichen Welt üblichen Küche beschäftigen.
Der Name des Spiegeleis kommt ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert. Man benannte es damals nach dem glänzenden Dotter.
Aber: Überraschung!
Das was die meisten für ein Spiegelei halten, ist ein Setzei - Spiegeleier werden von beiden Seiten gebraten, was Freunde flüssigen Eigelbs zwar in tiefe Trauer versetzen wird, das allgegenwärtige Salmonellenrisiko aber senkt.
Die Umstände des Spiegel- oder auch Setzeis halten sich also in Grenzen, wie sieht es aber mit dem allseits beliebten Frühstücksei aus? Hier scheiden sich die Geister.
Zubereitung
Nehme ich den Topf, den Eierkocher oder doch die Mikrowelle? Kocht das Ei dann 2 oder gleich 10 Minuten? Weich, wachsig, fest, steinhart?
Problematisch beim Eierkochen für außnahmslos alle Frühstücksei-Liebhaber ist, wenn die Eierschale dabei platzt. Es gibt mehrere Strategien, um dies zu verhindern. Das Anstechen des Eies mittels eines dafür vorgesehenen Dorns oder einer Stecknadel ermöglicht der Luft, die im Ei eingeschlossen ist, zu entweichen, so dass das Ei nicht platzt. Es wird auch empfohlen, kühlschrankkalte Eier vor dem Kochen unter dem Wasserhahn kurz mit heißem Wasser abzuschrecken. Ein Schuss Essig im Kochwasser soll bewirken, dass sich Risse schnell wieder verschliessen.
Fertig zubereitet wird das Frühstücksei meistens in einen Eierbecher gestellt, um es leichter auslöffeln zu können. Äusserst kontrovers diskutiert wird jedoch, wie herum das Ei in den Eierbecher gestellt wird.
Das Ende des Eies
Kontrovers am Frühstücksei ist das Thema wie herum es in den Eierbecher zum Verzehr gesteckt werden soll, und vor allem wie man es am besten essen sollte. Schon lange streitet man sich über die Tatsache, ob man ein gekochtes Frühstücksei mit der spitzen oder mit der stumpfen Seite nach oben in den Eierbecher legen sollte, um es dann zu verzehren.
Manche argumentieren, dass die stumpfe Seite des Eies besser mit einem Löffel auszulöffeln ist, und das Ei mit dem spitzen Ende voraus besser im Eierbecher zu liegen kommt. Andere wiederum bestreiten dies vehement, und meinen, die spitze Seite des Eies muss wie eine Bergkuppe nach oben zum Verzehrenden schauen.
Vielleicht sind auch die unterschiedlichen Arten des Eiessens essentiell für die Lage des Eies: beim Eierköpfen wird behauptet, dies ginge besser am spitzen Ende des Eies, also dies nach oben aus dem Eierbecher schauend, da dort die Luftblase im Ei nicht störe, und es so einen sauberen Schnitt geben könne. Beim Aufklopfen mit dem Löffel soll man hingegen die stumpfere Seite des Eies aus dem Eierbecher schauen lassen, da sich dort wie gesagt die Luftblase im Ei befindet, und die Schale dort wegen des Luftraumes leichter bricht.
Auch sind sich die Lexika über die genaue Bezeichnung des stumpfen als auch des spitzen Ende des Eies uneinig. So bezeichnet z. B. der Duden in seiner Ausgabe aus dem Jahre 1991 als „Gupf“ (der; Plural: die Güpfe; süddeutsch, österreichisch umgangssprachlich und schweizerisch für Gipfel, Spitze; stumpfer Teil des Eies) den stumpfen Teil des Eies. Wahrig, das Deutsche Wörterbuch aus dem Jahre 1997 nennt hingegen das Wort „Gupf“ als Spitze bzw. Gipfel z.B. des Eies, oder auch Häufung bzw. Übermaß (= Kuppe). Bereits bei der Duden-Definition zeigt sich ein Widerspruch: Wie kann man den Begriff „Spitze“ dem „stumpfen Teil des Eies“ gleichsetzen? Die Wahrig-Definition schafft hierbei auch keine echte Klarheit.
In der Esskultur, Verhaltens- und Ständelexia wie z.B. Knigge etc. spielen solche Themen und Klärungen dieser durchaus eine große Rolle. In Jonathan Swifts Roman Gullivers Reisen gerät diese Streitfrage zum handfesten Kriegsgrund zwischen den Dickendern und den Spitzendern in Liliput, was als Satire über die nach Swifts Ansicht spitzfindigen, aber vehement ausgetragenen religiösen Streitigkeiten seiner Zeit gedacht war.
Es gibt zudem die verschiedensten Arten das Ei zu öffnen und zu essen:
Das Ei an einem Ende pellen (Schale aufklopfen und abzupfen)
Das Ei „köpfen“ (mit dem Messer den Kopf abschlagen)
Das Ei auslöffeln (mit Salz, Pfeffer und/oder Senf bzw. pur)
Das Ei mit dem Brötchen/Brot auftunken (wenn es weich ist)
Das Ei in Scheiben auf das Brötchen/Brot legen (wenn es hart ist)
Das Ei auf dem Brötchen/Brot verstreichen (wenn es weich ist)
Alles in allem ist wohl zu sagen, dass die Wahrheit über das Frühstücksei einzig und allein im Auge des Betrachters und vor allem auf Ihrem Frühstückstisch liegt.